Like und Follower Albtraum

Written by Alison

Es fällt mir seit einem Jahr schwer Texte zu verfassen. Einfach meine Gedanken in Worte zu fassen, sie aufzuschreiben und somit zu verarbeiten. Schreiben war immer eine Therapie für mich. Ich schrieb das auf was ich dachte, was in meinem Kopf war,  sah so schwarz auf weiß was mich bewegte und konnte wenn ich wollte daran arbeiten. Doch seit einem Jahr funktioniert das nicht mehr. Was war passiert? Ich bekam unverhältnismäßig viel hate, keine Kritik sondern purer Hass. Ich weiß, es ist immer leicht anderen Menschen die Schuld am eigenen Versagen zu geben, aber diese Hasskommentare schränkten mich ein. Ich dachte jedes Mal bevor ich einen Text schrieb darüber nach ob ich das, was ich vorhatte zu schreiben wirklich schreiben konnte. Ich wollte so wenig wie möglich Angriffsfläche bieten. Die Kommentare kamen, egal was ich schrieb oder tat. Und jedes Mal schränkte ich mich weiter ein. Bis ich den Spaß am Bloggen verlor, den Spaß daran mich mit Kleidung auszudrücken und meinen Gedankenscheiß in die Welt zu rufen um vielleicht andere Menschen damit zu erreichen, ihnen zu helfen oder einfach nur zu zeigen, dass sie mit ihren Gedanken nicht alleine sind.

Und anstatt eine Pause einzulegen machte ich weiter. Ich dachte „Jetzt erst recht“ und verlor mich. Ich verlief mich in der Like und Follower Welt. Der Welt wo es scheiß egal ist was du postest, wo es aber wichtig ist welche Zahl unter einem Bild oder in einem Profil steht. Ich versuchte meinen Instagram Feed farblich anzupassen, blieb in der Nacht lange wach um fremde Bilder zu liken, damit diese meine Bilder likten #like4like, folgte vielen großen Instagramern, damit deren Follower auf mich aufmerksam werden und mir folgten. Sprang panisch in meinem Zimmer umher, weil ich noch kein neues Instagram Bild geplant hatte und es fast 18 Uhr war, die Zeit wo es sich lohnt ein Bild zu posten, weil es dann mehr Likes bekommt. Mit dem farblich angepassten Instagram Feed schränkte ich mich mehr und mehr ein. „Nein, heute kannst du kein Selfie posten, das würde nicht zum Feed passen. Gestern war der Hintergrund rot, dann muss er heute gelb und morgen orange sein. Was kann ich heute anziehen, damit es zum Instagram Feed passt?“

Auf Facebook postete ich vermehrt Bilder von Buffalos, weil dort die Buffalo Fetisch Community auf meine Like Seite aufmerksam wurde und meine Bilder likten aber eben nur die wo ich Buffalos trug. Selfies oder andere Outfitbilder likten sie nicht. Ich wollte Likes, Aufmerksamkeit also postete ich Buffalo Bilder. Ich mag Buffalos, trage sie auch gerne aber ich wusste, wenn ich heute ein Bild mit Buffalos poste habe ich meine 22 Likes sicher (sonst bekamen meine anderen Bilder nur 3 Likes). Ich lebte also nur noch mit dem Gedanken Bilder hochzuladen die Likes und Follower generieren. Ich dachte ich hätte den Dreh raus. Ich dachte ich wäre auf dem richtigen Weg Fame zu werden, damit Geld zu verdienen und mehr Menschen damit zu erreichen. Aber dem war nicht so. Ich bekam schon Produkte zugeschickt, die eine oder andere Kooperation kam zustande, doch bestärkte mich dies weiterhin mein Leben nach Instagram auszurichten.

Ich hatte mal gehört das ein Blogger erst ab 10k Follower bei Instagram etwas wert sei, dass erst dann Shops und Kunden etwas für einen bezahlen. Ich sah mir Videos auf YouTube an, las Blog Beiträge wie ich verflucht noch mal mehr Follower erhalte. Aber die Tipps kannte ich alle schon. Und dann beschloss ich vor zwei Wochen mir Follower zu kaufen. Ich informierte mich im Netz, fragte andere Blogger, die es bereits getan hatten nach ihren Seiten. So richtig wollte mir keiner helfen und ich vertraute keiner „So wirst auch du InstaFame“-Seite. Ich kaufte keine Follower aber der Gedanke an meine 2k, die ständig weniger wurden, weil ich keine Bilder hochlud, da ich keine Ideen hatte welche Bilder ich posten sollte schmerzte. Es schmerzte einfach zu sehen, das andere mit ihren Bildern, die man schon tausendmal auf Instagram gesehen hatte mehr Follower generierten und viele Kooperation an Land zogen. Als ich Vicky Wankas Blogeintrag las, in dem sie darüber berichtete wie müde sie das sammeln der Instagram Follower machte, war der erste Gedanke “ Sie hat um die 40k und die anderen haben 125k. Natürlich muss sie das schreiben, damit sie im Gespräch bleibt, damit sie Aufmerksamkeit für ihren ach so ehrlichen Blogpost erhält, aber selbst leere Profile als Follower hat“. Dieser Gedankengang holte mich aus meinem Like und Follower Albtraum zurück in die Realität. What the hell?! Was dachte ich da bitte? Was tue ich hier? Warum mache ich das?

Ich lebte nur noch für Instagram. Auch wenn ich wenig postete war ich trotzdem jeden Tag mehrere Stunden online um Bilder zu liken, zu kommentieren mit der Absicht, dass andere Instagramer auf mein Profil aufmerksam wurden und mir folgten. Ich versuchte jeden Tag etwas in die Insta Story zu posten, ein kleines Lebenszeichen zu geben um zu zeigen, dass ich noch da bin. Und selbst die authentischen Insta Story Bilder waren gestellt. Es war einfach alles geplant. Nicht echt. Ich dachte, dass mich mehr Follower glücklicher machten, aber der Weg dahin tat mir nicht gut. Es ist wie bei einer Magersucht. Man denkt „Wenn ich schlanker wäre, noch ein zwei Kg weniger bin ich beliebter, glücklicher, schöner“. Doch dem ist nicht so. Stattdessen nimmt man einen krankhaften Lebensstil an, der einen kaputt macht noch bevor man sein Ziel erreicht. Denn „Spoiler Alarm“ man wird sein Ziel nie erreichen, weil man noch dünner sein will (oder eben mehr Follower haben will). Ja, Follower Sucht mit Magersucht zu vergleichen ist krass aber beschreibt es sehr gut. Man wird nie zufrieden sein, man muss einfach immer weiter machen.

Ich weiß, Niemand hat mich gezwungen so zu sein. Niemand hat mir gesagt, dass ich so werden soll. Das habe ich ganz alleine getan. Ich hab mir verboten über Dinge zu schreiben, die mich interessieren, hab mir den Spaß an allem genommen und habe mir stattdessen ein zwanghaftes Verhalten antrainiert. Glückwunsch. Hier hast du einen Pokal und eine Urkunde. Aber ab und zu muss man das Spiel der Anderen mitspielen um dann gestärkt dort wieder heraus zu kommen und sein eigenes Ding zu machen. Um zu wissen wie sich frei sein eigentlich anfüllt. Und wisst ihr was? Ich werde heute einfach ganz rebellisch ein Selfie posten, obwohl mein letztes Bild ebenfalls ein Selfie ist. Ich werde über Dinge schreiben, die ich interessant finde, die mir vielleicht wieder Hass Kommentare einbringen aber dem ist dann so. Ich werde mich von dem zwanghaften Verhalten verabschieden und wieder frei sein, frei mein Ding tun, wie zuvor auch. Bye bye farblich abgestimmter Instagram Feed, ich werde dich nicht vermissen.

Comments: 5

  1. Also was kann ich dazu sagen?

    Ja, mehr will man ja immer mehr – ich bin davon nicht ausgeschlossen, aber ich hab auch keine Lust das schnell zu erreichen, weil das heißen würde, ich müsste viel Zeit investieren, in Instagram und Co. und deren „Marketing“, da bleibt doch das eigentlich „teilhaben lassen“ auf der Strecke.

    In diesem Sinne: Just do it.

    • Ich bin son ungeduldiger Mensch. Wenn mal etwas nicht gleich sofort klappt bin ich verzweifelt und mache mir Gedanken woran das liegen könnte, stelle alles in Frage und verliere mich in der Gedankenspirale. Ich mache dadurch das Problem noch größer als es eigentlich ist.

  2. Auch wenn es mehr um Instagram ging, so möchte ich doch auf die Sache mit den Blogposts eingehen. Ich finde es Schade, dass du dich von negativen Kommentaren hast entmutigen lassen, aber es ist verständlich. Ich finde es total daneben, dass Menschen so etwas tun. Kriti äußern ok, aber ich weiß ja, was das hier im Netz teilweise für Formen annimmt. Ich finde es auch Schade, dass du einige Beiträge gelöscht hast. Ich fand deinen Bucketlistvortrag sehr gut und inspirirend!

    Bleib dran an den Dingen, die sich für dich gut anfühlen, aber nur wenn sie das tun. Und ansonsten poste das, was du magst. Was für DICH eben das richtige ist! :)

    Liebe Grüße
    Philipp

    • Hallo Philipp :)
      Danke für dein Kommentar. Ich habe alle meine Blogposts gelöscht, nicht nur einige. Aber ja du hast schon recht. Es ist schade. Ein paar Texte habe ich noch auf meinem Computer gespeichert, aber es wäre falsch sie jetzt noch einmal wieder hochzuladen, da ich sie damals schrieb. Jetzt würde ich einige Sachen ganz anders formulieren oder fühle Dinge anders. Vielleicht werde ich noch einmal über Themen schreiben, über die ich schon einmal geschrieben habe. Eben wenn es sich gut anfühlt :D

  3. Dietmar says:

    Hallo Alison,

    erstmal ein riesiges Dankeschön! Von ganzem Herzen!
    Ich fühle mich sooooo dermassen ertappt – mir geht es sehr oft so mit den Facebook Likes und Kommentaren.
    Was kann ich denn nur posten, um viele Likes zu bekommen?
    Wann ist beste Zeit, um was zu posten?
    Wie war das beim letzten Mal??? Freitag Abend ist glaube ich gut, oder???
    Ach, das ist mehr etwas für meine amerikanischen Freunde, also besser tagsüber deutscher Zeit…. und, und, und….
    Nichts als quälende Fragen….
    Und dann diese Enttäuschung, wenn kaum Likes kommen….
    Oder auch diese riesige Freude, wenn viele Likes kommen….

    Verrückt, oder? Aber wem erzähle ich das – deswegen mein Danke eben, Danke, dafür, dass Du mir mal nochmal die Augen geöffnet hast!

    Und nun zu Dir (ja, ich weiß, es selbst nicht auf die Reihe bekommen, aber gute Ratschläge geben….):
    Tu GENAU das was DU willst, Neider und Hater gibt es immer – und sieh es doch so – deren Aufmerksamkeit hast Du doch auf jeden Fall erregt, sonst würden die sich ja gar nicht die Mühe machen, oder?
    Ich habe gerade die ganzen verdammt ehrlichen Posts von Dir bisher immer unglaublich gerne gelesen, meistens auch noch etwas für mich selbst heraus ziehen können – was will man mehr?
    Und Deine Selfies? Du weißt, dass mir Deine (ich nenne es jetzt einfach mal so): natürlichen Selfies TOTAL gut gefallen, ich freu mich immer Selfies von Dir zu sehen – also mach bitte weiter… aber auch eben weiter so wie DU Lust dazu hast, so wie DU Freude daran hast…. und Du wirst, Du wirst damit dann vielen Anderen auch Freude bereiten – ich bin sehr sicher.

    Bitte sei Du selbst, die Alsion die wir so sehr mögen und mit Begeisterung verfolgen :-)

    Liebe, pinkene und fluffige Grüße,
    Dietmar

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